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Der Blaue Elefant



Schön blau

Ein Elefant bringt alle zusammen

Getrennt proben, vereint aufführen: Nach dieser Maxime tröröööte „Der blaue Elefant“ auf die Bühne des Gummersbacher Theaters. Kaum denkbar, dass die Rockoper von Martin Kuchejda zum 40. Geburtstag der Musikschule auch anders zu Stande gekommen wäre – bei rund 200 Beteiligten. Eine subjektive Rückschau.

Montagabend im Bruno-Goller-Haus: Erwachsene Menschen bewegen sich schwerfällig im Kreis, beugen sich auf und nieder und stoßen Laute aus, die klingen wie „bricke bumm tschicke tacke tacke bumm“, sie reden ein kleines Mädchen mit „mein Herr“ an, aber das Mädchen ist gar keins, sondern ein Mann, der aber den Text des Mädchens spricht: Martin Kuchejda, Leiter des „Actor´s Studio“, Herr über das Häuflein bemühter seriöser Menschen, die sich da zu Barbaren machen. Wir schreiben das Frühstadium der Proben zur Rockoper „Der blaue Elefant“. Ahnt hier eigentlich jemand, was da in ein paar Monaten hinten rauskommen soll?

Die selbe Frage stellen sich wahrscheinlich zur gleichen Zeit fast weitere 200 Menschen, die ebenfalls an dem Stück beteiligt sind: die Mitglieder der Kinderchöre und Tanzgruppen beider Gymnasien, der Big Band, Rockband, des Jungen Symphonie-Orchesters, des Saxophonquartetts der Musikschule, des Erwachsenenchors „chorwärts“, der Theater AG des Grotenbach-Gymnasiums. Mitte Februar liegt noch weit entfernt, ach was soll die Sorge um Texte, Melodien und Szenen – es wird sich schon alles finden.

Noch ist der Indianerhäuptling kaum von einem normalen Sonderschullehrer zu unterscheiden, bislang wirkt der Journalist nicht sehr außerirdisch und hat die Schülerin wenig von einem weißen Hasen. Macht aber nix, der Elefant ist ja auch noch nicht blau. Doch mit Beginn des Jahres 2004 steigt das Fieber und es beginnt vielen Mitwirkenden zu dämmern, was da auf sie zukommt. Erst recht, als Kuchejda für das erste Februar-Wochenende die totale Kasernierung anordnet: Schullandheim Bergneustadt, Intensivproben mit allen Beteiligten in der Turnhalle, Parole: Bettzeug mitbringen, Disziplin halten! Es schlägt die Stunde des Organisators und Musikschulleiters Peter Even, der alles in der Hand hält – vom Einzelzimmerwunsch bis zum vegetarischen Bratling.

Die Hälfte der Turnhalle füllen allein die Musiker mit Dirigent Karsten Dobermann vorneweg: Ist der Raum nun halb leer oder halb voll? Leider fehlt die Zeit für den notwendigen philosophischen Diskurs; stattdessen jagt ein Durchlauf den nächsten. Immer wieder das Kommando: Alles zurück auf Start. Und nicht quasseln. Und aufeinander achten. Und schön den eigenen Text sprechen. Und den Spüldienst nicht vergessen. Und das Alkoholverbot für die frischeren Jahrgänge. Eine harte, ja geradezu entbehrungsreiche Zeit, der hohen Kunst geschuldet, die an diesem Wochenende endlich ihren Weg ans Licht findet.

Das war vor der Generalprobe. Kurz danach brechen sich Zweifel Bahn. Alle diese Menschen, alle auf einer Bühne, und dann zum Schluss auch noch gleichzeitig? Sind wir hier bei Ben Hur oder was? Wo bleiben die Streitwagen? Es hilft alles nichts. Am Freitag, dem Dreizehnten, soll der Elefant mit tröröööö über die Bühne gehen.

Und er geht besser als erwartet. Das Publikum wirkt fröhlich, da wollen die Akteure nicht nachstehen. Der Häuptling sieht jetzt würdig aus, der Journalist wirkt in seinem Neongrün gar nicht mehr von dieser Welt und die Schülerin hoppelt ganz in weiß umher. Natürlich läuft nicht alles glatt, aber der erste Abend entschädigt für den vorigen. Drei weitere Aufführungen folgen und von Mal zu Mal wächst alles enger zusammen. Manche können sich schon die Namen von Kindern merken, die Lieder mitsingen, fremden Text mitsprechen. Die Stimmung hinter der Bühne wird trotz aller Konzentration lockerer, die Abläufe fließen fast wie von selbst, man steht anderen nicht mehr im Weg. Das spielerische Element siegt. Als Juliane Klein bei der letzten Vorstellung am Sonntag „On Broadway“ singt, umgeben sie Passanten und Szenen, die auch die Stimmung der Beteiligten widerspiegeln – es grenzt schon fast an Ausgelassenheit.

Und dann plötzlich: Schluss! Das Licht geht aus, wir geh´n nach Haus. Vorbei die intensive Zeit mit Lampenfieber und Probenstress, mit Kostümfragen und choreografischen Problemen. Da draußen wartet der Alltag, in dem die Frage: „Hält meine Stimme?“ keine Rolle mehr spielt. Das singende, klingende und spielende Lazarett verabschiedet sich von der Bühne und darf sich nun seinen diversen Erkältungskrankheiten widmen, die über zwei Wochen in Zaum gehalten wurden. Sofern nicht gleich die nächste Produktion ruft: Romeo und Julia. Der Rest geht in die Karnevalspause. Doch irgendwann werden sie wieder da sein, an einem Montagabend im Goller-Haus, und merkwürdige Dinge tun. Bricke bumm, bricke bumm.

Volker Dick

 

 


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